Die richtige Pantoffel macht den Held

Bald ist es soweit. Genauer im September 2016 jährt es sich zum 25ten Mal.Das sind neuntausend Tage, die ich gemeinsam mit meiner „besten Frau von Allen“ durch Trauschein und Gottes Segen verbunden bin. Und ich muss sagen es hat gar nicht wehgetan, meistens jedenfalls.

Meine Klasse A-Frau (wie sie sich zu Recht selber nennt) und ich haben sicher viele Höhen und Tiefen durchlebt. Wir haben zwei tolle Kinder bekommen und es geschafft, dass sich unsere Eltern regelmäßig zum Familienessen treffen. Ein ganz normales Leben eben, allerdings mit einer Ausnahme.

Diese Besonderheit wird mir immer bewusst, wenn wir zum Essen in unserem Lieblingslokal sind und andere Ehepaare an den Nachbartischen beobachten. Erstes auffälliges Phänomen ist die optische Angleichung der beiden Lebensgefährten. In der Regel hat sich die Frau dem Mann angepasst. Einige Damen bevorzugen sogar einen ähnlichen Haarschnitt, wie Ihr männlicher Partner. Auch in Sachen Mode gibt einer der beiden für den anderen den Ton an. Und manchmal leider nicht nur den Farbton. Alles riecht nach Gleichgültigkeit und Demut. Die Verantwortungsbereiche ihres Lebens sind verteilt – Bingo – sie sind im Laufe der vielen gemeinsamen Jahre zu einer Person geworden.

Das scheint auch der Grund zu sein, warum diese Paare kaum ein Wort miteinander sprechen. Was hat man sich schon zu sagen, wenn man gleich aussieht und wahrscheinlich auch das gleiche denkt. Frau hat sich dem Mann angepasst und umgekehrt und das Ergebnis ist eine gewisse sprachlose – wir verstehen uns auch ohne Worte – Langeweile.

Bei meinem A-Modell und mir ist das zum Glück anders gelagert. Wir sind naturgegeben absolut unterschiedliche Persönlichkeiten, da gibt es keine Langeweile und auch keine optische Angleichung. Unser Geheimnis ist die Akzeptanz der Verschiedenheit des Anderen – was zugegebenermaßen nicht immer leicht fällt – und eine große Portion egoistischer Selbstverantwortung – auch nicht immer einfach.

Wir sind Liebende und Freunde – Freunde, die sich lieben und sich vertrauen. Natürlich haben wir unsere Rollen, die wir zu spielen haben. Ob Pantoffelheld oder Macho egal, wir geben uns Gegenseitig das, was wir in jenem Moment benötigen.

Ich bin von Natur aus eher ein Alpha-Tier und musste lernen bewusst die Rolle des Pantoffelhelden anzunehmen, wenn dies nötig war und ist. Meine „Beste Frau von Allen“ hat gelernt sich nicht „klein“ machen zu lassen, egal von wem, von anderen Menschen, der Familie oder auch von mir. Und das ist toll. Auch sie gibt mir den geistigen Freiraum den ich brauche. Und in Sachen Fashion hat mich meine Klasse A Frau ebenfalls selbstständig gelassen – ich suche mir meine Hemden, Hosen und Farbtöne noch selber aus – zum Beispiel bei „Sieh an!“ (Gleiches gilt natürlich auch für die “Beste Frau von Allen“). Sie gibt mir das Gefühl verstanden zu sein und das ich alles unter Kontrolle habe – auch wenn das in Wahrheit genau anders herum ist.

Natürlich bietet eine derartige Form einer Beziehung viele Reibungspunkte und bedingt den andauerten Wunsch und die Energie daran zu arbeiten. Im Prinzip ist das wie bei einer alten Pantoffel. Irgendwann ist sie ausgelatscht und muffelt vor sich hin. Es sei denn – man pflegt sie und frischt sie auf. Auch ein Upgrade oder eine Modellveränderung der Pantoffel kann Wunder bewirken.

Ich glaube daran, das man investieren muss – sich investieren muss. Das ist nicht einfach und es gelingt mir auch nicht immer – und ich will auch nicht verschweigen – es kostet viel Kraft. Allerdings lohnt es sich – das kann ich versichern. Ansonsten hätten mein Modell-A und ich es nicht mehr als neuntausend Tage miteinander ausgehalten. Also ist es gut manchmal ein Pantoffelheld(in) mit der richtigen Pantoffel zu sein.

Und ganz wichtig. Helden haben keine Langeweile!

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